Polarlicht in Deutschland: welchen Kp-Index du wirklich brauchst

Polarlicht über Deutschland ist kein Zufall, sondern eine Frage der Sturmstärke und eines dunklen Himmels. In Hamburg reicht nach unseren Berechnungen etwa Kp 5,5, in Frankfurt braucht es rund 7, in München etwa 8. Hier liest du, was diese Zahlen bedeuten und wie du die nächste Chance nicht verpasst.

Marcin Fierka
Marcin FierkaVeröffentlicht: 7. Oktober 2026
Polarlichter über einem norwegischen Fjord und einer roten Hütte

Warum Polarlicht manchmal bis nach Deutschland reicht

Polarlicht entsteht, wenn geladene Teilchen von der Sonne auf die obere Atmosphäre treffen. Meistens passiert das in einem Ring um den magnetischen Pol, über Skandinavien, Island, Kanada und Alaska. Schleudert die Sonne eine große Plasmawolke Richtung Erde, wird das Magnetfeld kräftig durchgeschüttelt, und das Polarlicht-Oval dehnt sich nach Süden aus. Dann haben auch Hamburg, Berlin oder sogar München eine Chance.

Wie stark diese Störung ist, beschreibt der Kp-Index.

Der Kp-Index kurz erklärt

Kp reicht von 0 bis 9. Bei 0 bis 3 ist das Magnetfeld ruhig, ab 5 spricht man von einem geomagnetischen Sturm. Die US-Wetterbehörde NOAA teilt Stürme in fünf Stufen ein:

Kp Sturmstufe Was das für Polarlicht bei uns heißt
5 G1, gering Polarlicht in Skandinavien, in Deutschland meist nicht zu sehen
6 G2, mäßig Chance tief am Nordhorizont, etwa in Hamburg und Berlin
7 G3, stark Chance auch in Köln und Frankfurt
8 G4, schwer Chance bis nach München
9 G5, extrem Polarlicht in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz möglich

Laut NOAA wird Polarlicht bei G2 typischerweise bis etwa 55° geomagnetischer Breite gesehen, bei G3 bis 50°, bei G4 bis 45° und bei G5 bis 40°. Die geomagnetische Breite ist allerdings nicht dieselbe wie die Breite auf der Landkarte. Der magnetische Pol liegt über Nordkanada, deshalb ist Nordamerika dem Polarlicht „näher“ als Europa. Montréal liegt südlicher als München, braucht nach unseren Berechnungen aber nur etwa Kp 5, München dagegen rund 8.

Welchen Kp-Wert deine Stadt braucht

Unsere Schätzung, ab wann Polarlicht tief über dem Nordhorizont auftauchen kann:

  • Hamburg: etwa Kp 5,5,
  • Berlin: etwa Kp 6,
  • Köln: etwa Kp 6,5,
  • Frankfurt am Main: etwa Kp 7,
  • München: etwa Kp 8,
  • Wien und Zürich: etwa Kp 8,5.

Das Gefälle von Nord nach Süd ist also groß. Was in Hamburg schon ein guter Abend sein kann, bleibt in München meist unsichtbar. In Österreich und der Schweiz braucht es fast immer einen sehr starken Sturm, und in den Alpentälern verdecken oft Berge den Nordhorizont. Wer dort wohnt, sucht sich besser einen Aussichtspunkt mit freier Sicht nach Norden.

Für deine eigene Stadt schau auf die Seite Polarlicht heute Nacht. Dort zeigen wir den aktuellen Kp-Wert neben dem Wert, den jede Stadt braucht.

So liest du die Vorhersage

NOAA veröffentlicht eine Kp-Vorhersage für drei Tage. Du findest sie auf unserer Polarlicht-Seite zusammen mit dem aktuellen Kp und dem Polarlicht-Oval live. Ein paar Regeln ersparen dir viele Enttäuschungen:

  • Vorhersagen sind unsicher. Die Plasmawolke ist lange unterwegs, und wie stark sie wirklich ist, zeigt sich erst bei ihrer Ankunft. Aus einer Vorhersage von Kp 7 kann am Ende eine 5 werden, oder eine 8.
  • Nur die Nacht zählt. Ein hoher Kp mittags bringt dir nichts. Achte darauf, ob die hohen Werte in deine Nachtstunden fallen.
  • Wolken machen alles zunichte. Selbst bei Kp 8 siehst du unter einer geschlossenen Wolkendecke nichts. Schau auf die Wolkenkarte live.
  • Der Mond stört. Rund um Vollmond geht schwaches Polarlicht im hellen Himmel unter. Die Mondphase für heute findest du auf Himmel heute.
  • Im Hochsommer bleibt es zu hell. Rund um den längsten Tag wird es in Norddeutschland auch um Mitternacht nicht richtig dunkel. Ob es heute eine astronomische Nacht gibt, zeigt ebenfalls Himmel heute.
  • Behalte das Oval im Auge. Die Karte des Polarlicht-Ovals zeigt, wie weit das Polarlicht gerade nach Süden reicht. Schiebt sich der Rand über Dänemark hinaus Richtung Nord- und Ostsee, lohnt sich der Blick nach draußen.

Wo und wie du schauen solltest

  1. Raus aus der Stadt. Straßenlaternen und beleuchtete Gewerbegebiete schlucken schwaches Polarlicht. Schon ein paar Kilometer außerhalb einer Großstadt machen einen spürbaren Unterschied.
  2. Such dir einen freien Blick nach Norden. Küste, Felder, ein See oder ein Hügel. Bei uns bleibt Polarlicht meist tief über dem Horizont. Im Norden bieten sich die Nordsee und Abschnitte der Ostseeküste mit Blick aufs Meer nach Norden an, weiter im Süden Anhöhen über offenem Land, so wie der Brocken im Harz, auf dem im Mai 2024 Polarlicht zu sehen war.
  3. Gib deinen Augen Zeit. Das Nachtsehen baut sich nur langsam auf. Schau in der Zwischenzeit nicht auf ein helles Handydisplay.
  4. Mach ein Foto mit dem Handy. Der Nachtmodus mit einigen Sekunden Belichtung zeigt Farben, die das Auge noch nicht sieht. Oft verrät erst das Foto, dass das Polarlicht schon da ist.
  5. Bleib geduldig. Polarlicht kommt in Wellen. Ein ruhiger Himmel kann sich innerhalb von Minuten in helle Säulen verwandeln.

Das stärkste Polarlicht seit Jahren

In der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 2024 traf ein Sturm der höchsten Stufe auf die Erde, G5 oder Kp 9. Laut USGS gab es den letzten G5-Sturm davor am 31. Oktober 2003. Die Stuttgarter Zeitung berichtete von Polarlicht unter anderem über Freiburg, auf dem Brocken, am Stadtrand von Magdeburg, im Taunus, in Hanau und am Kochelsee in Bayern. Es leuchtete also auch dort, wo man es sonst praktisch nie sieht.

Solche Nächte sind selten. Im Oktober 2024 haben NASA und NOAA aber bekanntgegeben, dass die Sonne in die Maximumphase ihres 11-jährigen Zyklus eingetreten ist. In dieser Phase gibt es starke geomagnetische Stürme häufiger als sonst. Es lohnt sich also, die Vorhersage im Blick zu behalten und bei einer Sturmwarnung abends kurz auf die Wolkenkarte zu schauen.

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FAQ

Ab welchem Kp-Wert sieht man Polarlicht in Deutschland?

Das hängt davon ab, wo du wohnst. Nach unseren Berechnungen kann Polarlicht tief am Nordhorizont in Hamburg ab etwa Kp 5,5 auftauchen, in Berlin ab etwa 6, in Köln ab 6,5, in Frankfurt ab 7 und in München ab etwa 8. Wien und Zürich brauchen rund 8,5. Bei Kp 9 ist es im ganzen deutschsprachigen Raum möglich.

Was bedeuten G1 bis G5?

Das sind die Sturmstufen der US-Behörde NOAA. G1 entspricht Kp 5, G2 Kp 6, G3 Kp 7, G4 Kp 8 und G5, die extreme Stufe, Kp 9.

Wann gab es zuletzt starke Polarlichter in Deutschland?

In der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 2024. Laut USGS war es der erste G5-Sturm seit dem 31. Oktober 2003. Polarlicht war damals bis in den Süden zu sehen, unter anderem in Freiburg und am Kochelsee in Bayern.

Warum sieht Polarlicht auf Fotos stärker aus als mit bloßem Auge?

Schwaches Polarlicht wirkt für das Auge gräulich, weil wir im Dunkeln Farben schlecht erkennen. Eine Kamera oder ein Handy im Nachtmodus sammelt mehrere Sekunden lang Licht und zeigt das Grün und Pink, das dem Auge entgeht.

Quellen

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